Bildungsgerechtigkeit 

Wir fordern ein zeitgemäß reformiertes G9 an den allgemeinbildenden Gymnasien in Hamburg 

Fast alle Bundesländer die damals von G9 auf G8 umstellten, haben nach anhaltender Kritik die Reform teilweise oder ganz wieder zurückgenommen. Obwohl die Corona-Pandemie, kriegerische Auseinandersetzungen und die Folgen von Klimakrise in den letzten Jahren den Druck auf die Schüler*innen noch verstärkt haben, ist ein Einlenken der Schulpolitik nicht erfolgt.

Einige Bundesländer haben teils bereits vor der Pandemie auf G9 umgestellt (Bayern, Niedersachen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein). 

Im Saarland ist nach der Pandemie G9 nun auch beschlossen und wird zum Schuljahr 2023/24 umgesetzt (ein Jahr nach Zustimmung zum Gesetzesentwurf). 

In Baden-Württemberg war die Volksinitiative erfolgreich und sammelt, unterstützt durch den Philologenverband, derzeit Unterschriften für den Volksantrag. 

Durch das Verbleiben in der G8-Struktur werden Hamburger Gymnasiasten bundesweit schlechter gestellt als andere Gymnasialschüler*innen, die wieder auf G9 umgestellt haben. Dennoch bewerben sie sich nach dem Abitur sowohl national als auch international auf dieselben Studien- und Ausbildungsplätze. Derzeit entsteht, zumal aufgrund
der Bestrebungen eines national vergleichbaren Abiturs, für die Hamburger Gymnasiasten ein Wettbewerbsnachteil, der nicht hingenommen werden kann.

Worum geht es?

9 Jahre für alle bis zum Abitur – mehr Zeit zum Lernen!

Unsere Elterninitiative setzt sich dafür ein, dass zum nächstmöglichen Zeitpunkt das neunjährige Gymnasium (G9) wieder eingeführt wird. Nicht nur die zukünftigen 5. und 6. Klassen sollen davon profitieren, sondern auch die Jahrgangstufen 7-10. Den Schüler*innen die bei der Wiedereinführung des 9-jährigen Gymnasiums bisher im G8 lernen, wird gleichzeitig durch die Einführung einer Vorstufe die Möglichkeit gegeben Lernlücken zu schließen und Zeit zum Vertiefen des Unterrichtsmaterials (zurückgegeben). Auch kann die Vorstufe für berufsorientierende Maßnahmen genutzt werden. 

Nach Inkrafttreten des Gesetzes müssen Bildungspläne und Wochenstunden angepasst werden, um den Inhalten und Anforderungen der Gegenwart gerecht zu werden. Wir fordern mehr Zeit zum Lernen und Vertiefen der Wissensinhalte, um ein qualitatives Lernen für alle Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen und gleichzeitig Gymnasialschülerinnen und -schüler zeitlich zu entlasten. Die aktuellen Bildungspläne für die Jahrgangsstufen 5-10 müssen entzerrt und die Anzahl der Wochenstunden reduziert werden. 

Einmal G8 und zurück, warum?

Mit der Einführung von G8 in Hamburg war insbesondere das Ziel verfolgt worden, Schülern und Schülerinnen einen früheren Studien- bzw. Berufseinstieg zu ermöglichen. Inzwischen hat sich jedoch herausgestellt, dass durch G8 dieses Ziel nicht erreicht werden kann, sondern sogar kontraproduktiv ist: Laut einer Studie des DIW legen G8 Schüler häufiger eine – für die soziale Reifung notwendige – Pause nach dem Abitur ein („gap year“), nehmen weniger häufig ein Studium auf, wechseln häufiger das Studienfach oder brechen es sogar ab. Zudem zeigen Studien, dass die Kompetenzen in den Fremdsprachen an G8 ausgerichteten Gymnasien deutlich geringer ausfallen als an den G9 ausgerichteten Gymnasien. Insbesondere die Kenntnis und Beherrschung von Fremdsprachen stellt jedoch eine zwingende Voraussetzung für eine internationale Wettbewerbsfähigkeit dar. Die Corona-Krise hat die Situation der schulischen Bildung nochmals verschärft: Der enorme Zeitdruck, der durch das G8 Modell entstanden ist, hat sich potenziert. Eine Zunahme von Depressionen, Essstörungen und Angstzuständen bei Jugendlichen ist in vielen Studien nachgewiesen worden.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass die Kultusministerkonferenz (KMK) eine weitere Angleichung struktureller Rahmenbedingungen für die gymnasiale Oberstufe beschlossen hat. Das soll zu einer Vergleichbarkeit des Abiturs führen. Deshalb fordern wir auch für Hamburger Gymnasialschüler*innen die gleichen zeitlichen Voraussetzungen, um die erlernten Inhalte zu festigen und zu verknüpfen.

Was wollen wir erreichen?

Wir fordern Bildungsgerechtigkeit und Bildungsqualität für alle Abiturienten und Abiturientinnen, um Hamburg zukunftsfähig zu machen – dies kann jedoch nur in einer gemeinsamen Anstrengung gelingen!

Abitur ohne Qualitätsverlust

 

  • Das  Abitur soll zu einer fundierten Hochschulreife führen
  • Die Vermittlung der Lerninhalte zum geeigneten Entwicklungszeitpunkt der Schüler, durch die Beschleunigung im G8 ist dies (besonders in den MINT Fächern, Sprache) häufig nicht mehr gegeben!

Verfestigen & Vertiefen
 

  • Gymnasiasten sollen wieder mehr Zeit bekommen, den Stoff zu lernen und Inhalte durch Üben/Anwenden zu vertiefen
  • Lernen kann man nicht im Akkord!
  • Die Qualität des neuen G9 darf nicht durch abgespeckte Lehrpläne gemindert werden!

Mehr Zeit zum Reifen

 

 

  • Mehr Zeit und Möglichkeiten für Gymnasiasten, sich am Nachmittag sportlich, musikalisch, sozial, politisch, kirchlich oder für Natur und Umwelt zu engagieren (=außerschulisches Lernen und Reifen!)
  • Einen gesunden und gefestigten Start ins Leben

Es gibt doch schon G9 an den Stadtteilschulen...

Dieses Argument wird immer wieder angeführt. Wir sehen uns nicht in Konkurrenz zu den Stadtteilschulen. Es gab auch vor Einführung von G8 das Abitur an den damaligen Gemeinschaftsschulen in Hamburg - das ist nichts neues. 

Auch ist die Stadtteilschule kein Alleinstellungsmerkmal Hamburgs!  Denn in anderen Bundesländern - wie dem Saarland und Schleswig-Holstein gibt es - ähnlich wie in Hamburg ein zwei Säulensystem und dennoch wurde hier die Rückkehr zu G9 an Gymnasien beschlossen. Bislang blieb der befürchtete Run auf die Gymnasien aus und die dortigen Gemeinschaftsschulen überzeugen durch ihr Konzept.  

Die Hamburger Stadtteilschulen, die in 9 Jahren zum Abitur führen, zeichnen sich durch ein anderes Bildungskonzept als Gymnasien aus: Aufgrund kleinerer Klassengrößen und eines höheren Personalschlüssels können Schülerinnen und Schüler hier in einem heterogenen Lernumfeld intensiver lernen, gezielt gefördert werden und ihr Wissen festigen. Auch die Durchlässigkeit zu allen Abschlüssen ist hier hervorzuheben, es droht kein Verlust des sozialen Umfeldes durch Abschulung. Die Stadtteilschulen würden mittelbar durch eine Rückkehr der Gymnasien zu G9 profitieren, indem die Bildungspolitik dazu aufgerufen wird, auch mehr für die Qualität der Stadtteilschulen zu tun, als sich nur darauf zu berufen, dass dort das Abitur in 9 Jahren möglich ist. 

Links & Quellen

Kultusministerkonferenz Anpassungen der Rahmenbedingungen : 

https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/kultusministerkonferenz-gleicht-rahmenbedingungen-fuer-die-gymnasiale-oberstufe-weiter-an.html

Anmeldezahlen nach Umstellung zu G9 bei einem Zweisäulensystem: 

Saarland - Medieninformationen - Vorläufige Anmeldezahlen zum Schuljahr 2022/2023 für Gemeinschaftsschulen und Gymnasien

Weniger Anmeldungen für Gymnasien in Schleswig-Holstein (kn-online.de)

Umstellung auf G9 anhand von Fallbeispielen: SR.de: 

"Wir wollten schon lange eine Entlastung der Mittelstufe"

https://www.saarland.de/mbk/DE/aktuelles/medieninformationen/2022/10/PM_221018-lpk-g9.html

Erklärfilm "Das neue G9" | Bildungsportal NRW (schulministerium.nrw)

https://www.saarland.de/mbk/DE/aktuelles/medieninformationen/2022/10/PM_221018-lpk-g9.html

Saarland - Medieninformationen - Einführung von G9: Landesregierung beschließt Gesamtkonzept und Gesetzentwurf

Weiterentwicklung des Gymnasiums (G8/G9) | Bildungsportal NRW (schulministerium.nrw)

G9 jetzt Baden-Württemberg (g9-jetzt-bw.de)

https://de.wikipedia.org/wiki/Abitur_nach_der_zw%C3%B6lften_Jahrgangsstufe

 

Schülerzahlen und Meinungsumfrage in Hamburg:

Entwicklung der Schülerzahlen in Hamburg - hamburg.de

https://www.abendblatt.de/hamburg/article216181131/Hamburger-wollen-wieder-Abi-nach-neun-Jahren-an-Gymnasien.html

 

Gründe zur Einführung von G8 und Konsequenzen:

17-21-3.pdf (diw.de)

2015-04-20_Studie_Konsequenzen_der_G8-Reform.pdf (uni-tuebingen.de)

Wochenpflichtstunden_der_SchuelerInnen_2021.pdf (kmk.org)

Studierfähigkeit: Da läuft etwas ganz schief - Forschung & Lehre (forschung-und-lehre.de)

https://www.zew.de/de/presse/pressearchiv/hoehere-lernintensitaet-verringert-chancengerechtigkeit/ 

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